Verbotenes existiert nicht
Homosexualität ist im Iran gesetzlich verboten. Drogenkonsum und Prostitution existieren offiziell nicht. Entsprechend gibt es weder sexuelle Aufklärung, noch die Aufklärung über Übertragungswege des HI-Virus.
[learn_more caption="Der Kampf gegen AIDS" state="open"]Der Kampf gegen AIDS ist lang und schwer und nach wie vor noch nicht gewonnen. Trotz moderner Medikamente – zu denen weiterhin im Grunde nur Menschen der westlichen Welt Zugang haben – gilt die Krankheit weiterhin als unheilbar. Die Prävention, Aufklärung und Hilfe für Betroffene ist absolut unabdingbar. Wir haben Institute, die sich mit der Epidemiologie der HIV- Infizierten und AIDS-Kranken beschäftigen und Organisationen, die zahlreiche Aktionen, Veranstaltungen und Benefizgalen veranstalten. Die Forschung ist sehr engagiert und daran interessiert Medikamente für die Heilung von AIDS zu finden. Naiv wäre es natürlich zu glauben, dass die Heilung als solche die Motivation der Forschung sei. Enormes finanzielles Potential verbirgt dahinter und genau deshalb werden die Menschen der sogenannten Dritten Welt am wenigsten davon profitieren.[/learn_more]
AIDS in der westlichen Welt
Trotz aller Bemühungen und Engagements bleibt AIDS bisher unheilbar und breitet sich weiter aus. Das Robert-Koch-Institut schätzt in Deutschland die Anzahl der Infizierten auf 70.000, wobei die jährlichen Neuerkrankungen bei 3.000 liegen. Nicht jeder kennt die Gefahr oder ist sich dieser hinreichend bewusst. Jugendliche leben zum Teil im Irrglauben man könne jemandem ansehen, ob er mit HIV infiziert sei und verzichten auf Safer Sex. Die Aufklärung in den Industrienationen in Bezug auf Sex und AIDS ist für viele selbstverständlich und teilweise ist es sogar verbindlich über das Thema HIV/AIDS früh aufgeklärt zu werden. In der Schule ist Sexualkunde mehrfach im Lehrplan vorgesehen und auch in den Medien ist es nicht mehr wegzudenken. Auf den Straßen kommt man an großen Plakaten mit der Aufschrift „Gib AIDS keine Chance“ nicht vorbei.[/dcs_p]
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Triangular Clinics
Sie bieten Methadonprogramme und antiretrovirale Therapien an, geben saubere Spritzen und Kondome ab und behandeln ausser HIV/Aids auch andere sexuell übertragene Krankheiten. Die Kliniken werden von den medizinischen Universitäten finanziell unterstützt, und die Behandlung ist für alle Patientinnen und Patienten grundsätzlich kostenlos.
Die Behandlungsprogramme in den Triangular Clinics sind anonym. Es werden von den Patienten vor einer Behandlung weder eine Identitätskarte noch sonstige persönliche Angaben verlangt.
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HIV/AIDS im Iran
Ganz anders sieht die Situation jedoch im Iran aus: Sowohl in der Schule als auch im öffentlichen Leben oder in den Medien findet keine sexuelle Aufklärung statt. Im Gegenteil: Sie wird systematisch verhindert. Daher fehlt im Iran das bloße Wissen über die Existenz der Infektionskrankheit, aber natürlich auch genau das, was die weitere Ausbreitung des HI- Virus verhindern könnte: Prävention und Aufklärung. Nur etwa 1% der Homosexuellen wissen, wie man sich vor der Krankheit schützt.
Die Zahl der Infizierten wird für das Jahr 2008 offiziell mit 18.320 angegeben. Die tatsächliche Zahl dürfte aber um das 4- bis 5-fache höher liegen. UNAIDS schätzt, dass 86.000 Menschen HIV-positiv sind. Der Grund für die hohe Anzahl der Infizierten liegt in der starken Tabuisierung von Sexualität. Man infiziert sich durch religiös motivierte Unwissenheit, die in der bewussten Annahme Aufrecht erhalten wird: „Was man verbietet, das existiert nicht.“
Drogenkonsum
Doch nicht nur die fehlende Aufklärung ist Schuld an der steigenden AIDS- Rate, sondern auch die immer größer werdende Anzahl der Drogenkonsumenten. 69% der mit dem HI-Virus infizierten Personen im Iran sind laut UNAIDS drogenabhängig. Dies wird auch dadurch begünstigt, dass Drogen sehr leicht und günstig aus dem Nachbarland Afghanistan beschafft werden können. Ein Infektionsweg ist natürlich die mehrmalige Benutzung von verunreinigtem Injektionsbesteck, sowie die gleichzeitige Benutzung durch unterschiedliche Personen. Dies geschieht vor allem in den Gefängnissen, weshalb dort nun regelmäßig sauberes Injektionsbesteck verteilt wird.
Illegale sexuelle Kontakte
Weitere Faktoren die zur Infektion mit dem HI-Virus führen, stellen die „illegalen sexuellen Kontakte“, zu denen jegliche Arten des außerehelichen Geschlechtsverkehrs zählt, dar. Prostitution und Homosexualität sind per Gesetz verboten und können mit der Todesstrafe geahndet werden. Da es beides allerdings im Iran offiziell nicht gibt, gibt es offiziell auch nicht die Menschen, die sich aufgrund dessen infiziert haben.
AIDS wird mit sündhaftem Verhalten gleichgesetzt
Da eine HIV-Infektion mit sündhaftem Verhalten gleichgesetzt wird, werden infizierte Personen von der Gesellschaft stigmatisiert und ausgegrenzt, was natürlich für die Betroffenen eine soziale und gesellschaftliche Katastrophe darstellt. Die meisten verheimlichen daher ihre Erkrankung, um in der Gesellschaft und im familiären Kreis weiterhin überleben zu können. Doch immer wieder wählen Verzweifelte aus Perspektivlosigkeit und der Angst doch enttarnt und dann bestraft oder ausgegrenzt zu werden den Freitod. Die Familie hat im Iran und vielen anderen islamischen Ländern eine ganz andere Stellung und Bedeutung als in den Industrienationen. Vor allem Frauen sind auf den Schutz der Familie angewiesen und haben ohne diese keinen Rückhalt in der Gesellschaft. Da die Familie den Frauen finanzielle Sicherheit und Status gewährleistet, verlieren sie mit ihrer Familie auch ihre soziale Grundlage. Gerade Verstoßene, Witwen und geschiedene Frauen bleibt häufig aus Mangel anderer Perspektiven nur der illegale Weg in die Prostitution. Prostituierte konsumieren häufiger Drogen und beides erhöht wiederum das Risiko sich mit HIV zu infizieren, so dass sich der Kreis schließt.[/dcs_p]
AIDS „ohne Sünde“
Es gibt aber auch die Fälle, in denen sich Menschen mit HIV infiziert haben ohne „gesündigt“ zu haben. Ali Mohseni zum Beispiel, der Leiter der AIDS-Hotline in Teheran, ist so jemand. Er hat sich aufgrund seiner Bluterkrankheit und die damit verbundenen Bluttransfusionen durch eine mit dem HI-Virus infizierte Blutkonserve infiziert. In der Gesellschaft wird aber nicht differenziert wie man sich infiziert hat. So werden Unschuldige zu Doppelopfern.
Letztlich kann das Problem nicht damit aus der Welt geschafft werden, dass man unerwünschtes einfach per Gesetz verbietet. Vielmehr muss offen darüber gesprochen werden, die Probleme akzeptiert werden, damit sie gelöst werden können.
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Perspektive
Eine positive Entwicklung lässt sich durchaus festhalten: Bereits seit 1987 wurde im Iran ein nationales Komitee zur Bekämpfung von HIV/AIDS gegründet. Die Betroffenen werden zwar von der Gesellschaft stigmatisiert und ausgegrenzt, jedoch nicht komplett mit ihrer Situation allein gelassen.
VCT-Care-Zentren
Es existieren laut UNICEF 65 VCT- Care- Zentren (Voluntary Counselling and Testing )im Iran, welche in den Triangular Clinics (Kliniken, die sich auf die Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten, HIV/AIDS und Drogenabhängigkeit spezialisiert haben) angesiedelt sind, und weitere 27 VCT-Zentren, die vom Gesundheitsministerium gegründet wurden.
Zusätzlich haben Gefängnisse 48 und der rote Halbmond 29 solcher VCT-Zentren aufgebaut. In den VCT erhalten die Betroffenen Unterstützung und Hilfe. Dort werden infizierte Personen anonym und kostenlos medizinisch versorgt. Es liegen auch Kondome und sterile Spritzen aus, gleichzeitig findet eine Aufklärung über Infektionswege und der Umgang mit der Erkrankung statt.
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