Eigennutz: Die Psychologie des Spendens

Wiederkehrende Katastrophen aus verschiedensten Teilen der Erde erreichen uns, doch die Spendenbereitschaft ist äußerst variabel. So war die Bereitschaft zur Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan deutlich verhaltener, als die zu Zeiten des Tsunamis in Südostasien. Doch woran liegt das? Was bringt uns dazu einen Beitrag zur Hilfe leisten zu wollen oder eben nicht?

“Es ist Spendern wichtiger, wie ihr Geld ausgegeben wird, als was sie damit bewirken”

Für uns scheint es, als sei die direkte Hilfe eine grundlegende Voraussetzung zur Spende. Jeder möchte, dass das Geld direkt bei den Hilfsbedürftigen ankommt. Dabei spielt es nicht einmal eine Rolle, wie effektiv diese dann auch tatsächlich ist. Es ist meist unerwünscht, dass Logisitk, Verwaltung oder Gehälter von den Spenden gezahlt werden, auch wenn dabei völlig außer Acht gelassen wird, dass Hilfsorganisationen eben wie “Firmen” arbeiten müssen und jede professionelle Hilfe eine Logistik benötigt und Menschen beschäftigt werden müssen, um die Hilfsprojekte überhaupt durchführen zu können.

“Die Leute unterstützen selbst dann lieber eine Hilfsorganisation, die einen hohen Anteil der Spenden direkt für Hilfsgüter ausgibt, wenn sie unterm Strich weniger pro gespendetem Euro erreicht, sprich: Es ist Spendern wichtiger, wie ihr Geld ausgegeben wird, als was sie damit bewirken.” Olivola, The Science of Giving

Den “Schmerz” des “Geld-Abgebens” mildern

Ist die Spende z.B. mit körperlichen Anstrengungen, wie denen eines Spendenlaufs, verbunden, so wird der Schmerz des Abgebens von Geld gemildert.

“Wenn jemand selbst oder einer seiner Freunde schwitzen muss, um Spenden für eine gute Sache einzuwerben, geben die Leute mehr.” Olivola, The Science of Giving.

Je umfangreicher kleinere Geschenke in Spendenaufrufen sind, desto positiver wirkt sich dies auf die Spendenbereitschaft aus. So zeigte ein Experiment der Universität Bonn aus dem Jahre 2005, dass unter den Empfängern, die vier Postkarten als Geschenk (im Zusammenhang mit einem Spendenaufruf) erhielten, etwa 75% mehr spendeten, als die Empfänger, die kein Geschenk erhielten. Wurde hingegen nur eine Karte dem Aufruf beigelegt, so steigerte dies die Bereitschaft nur um 17%.

Internationale Hilfe zeigt ähnliche Muster

Dabei ist dies nicht auf den einzelnen Menschen beschränkt. Auch die internationale Hilfe scheint ähnlichen Gesetzen zu folgen:

Einfluss der Medien: Je mehr Tote, desto mehr Hilfe

Dass der Stellenwert einer Katastrophe in den Medien entscheidend für die resultierende Spendensumme entscheidend ist, ist im Grunde selbsterklärend. In der Studie “Natural Disasters, EconomicDevelopment, and Humanitarian Aid” hat Strömberg gezeigt, dass die Anzahl der Toten und Opfer einer Katastrophe sich proportional auf die geleistete Hilfe auswirkt.

Sind dagegen andere Themen in den Medien im Vordergrund, so werden in der Konsequenz weniger Hilfen von Seiten der Regierungen zugesagt.

Gemeinsamkeiten erhöhen die internationalen Hilfen

Nicht sehr verwunderlich ist, dass die geografische Nähe und Gemeinsamkeiten, wie die Sprache, einen entscheidenden Einfluss auf die Hilfe ausübt. So können Länder, wie Algerien oder Polen mit 2,5-mal so viel Hilfe, wie beispielsweise Toga rechnen.

Interessanterweise müssen unabhängige Staaten etwa 50-mal so viele Opfer aufweisen, um die gleiche Untertützung wie ehemalige Kolonialstaaten zu erhalten.